Denk- und Forschungsraum · Stand September 2026

Generation
AI

Was müssen Menschen selbst wissen, können, erfahren und verantworten, wenn KI dauerhaft Teil ihrer Lern-, Arbeits- und Lebenswelt ist?

Eine lernende Person stützt mit der linken Hand ihr Kinn und schreibt mit der rechten Hand Notizen neben einer digitalen KI-Unterstützung.

Worum es
mir geht

«Generation AI» ist kein neues Generationenetikett und keine Zukunftsprognose. Der Begriff öffnet ein Beobachtungsfeld: Was verändert sich, wenn plausible Antworten, Bilder und Lösungen jederzeit erzeugbar sind – und was muss Bildung deshalb bewusst stärken?

Vorläufige Begriffe, überprüfbare Hypothesen, sichtbare Revisionen
?
Wie bleiben Menschen unter KI-Bedingungen urteils- und handlungsfähig?
SozialisationsbedingungKI-nativ

Mit KI aufwachsen und sie selbstverständlich nutzen.

KompetenzKI-kompetent

KI verstehen, prüfen, steuern, begrenzen und verantworten.

Befunddurch passende Forschung gestützt
Frühe Evidenzrelevant, aber noch begrenzt
Arbeitshypothesebegründet und überprüfbar
Beobachtungsituiert, nicht verallgemeinert

Erster Denkbeitrag · 22. September 2026

Fortschritt ja – Fremd­steuerung nein

Die «Zukunftslandschaft Schweiz» zeigt eine bemerkenswerte Spannung: Eine Zukunft mit weniger digitaler Dauerpräsenz findet breite Zustimmung. Selbst eine Zukunft, in der Menschen entscheiden und KI ausführt, wird dagegen abgelehnt. Was sagt das über Bildung, KI und menschliche Autonomie?

Bewertung +1,21Bewusster Rückzug

Weniger digitale Dauerpräsenz, KI und soziale Medien – mehr direkte Begegnung und analoge Praxis.

Bewertung −0,21KI führt aus

Menschen entscheiden, während KI Routinen übernimmt und Entscheidungen mit Analysen vorbereitet.

Meine Lesart: Menschen wollen technologische Unterstützung, aber keine schleichende Abgabe des eigenen Massstabs. Genau hier beginnt die Bildungsfrage von «Generation AI».

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Sieben Felder menschlicher Kompetenz

KI-Kompetenz steht nicht neben diesen Fähigkeiten. Sie liegt quer dazu: KI verstehen, auswählen, steuern und begrenzen verlangt einen eigenen Massstab – und reale Handlungsfähigkeit.

Sieben Arbeits­hypothesen

Keine dieser Aussagen ist ein fertiger Befund. Jede Hypothese benennt, was ich genauer lesen, beobachten und in der Bildungspraxis prüfen will. Öffne eine Karte für Aussage und möglichen Prüfweg.

H1Vom Informationsproblem zum Urteilsproblem

Wenn plausible Antworten jederzeit verfügbar sind, wird das Prüfen von Wahrheit, Relevanz, Begründung und Perspektive wichtiger als die blosse Informationsbeschaffung.

Prüfen: Verifikationshandlungen in Aufgaben vor und nach dem KI-Einsatz vergleichen.

H2Kognitive Auslagerung braucht Eigenkompetenz

Je mehr Formulieren, Strukturieren und Problemlösen ausgelagert werden kann, desto wichtiger wird ein eigener fachlicher und sprachlicher Massstab.

Prüfen: Transfer ohne KI und Fehlererkennung in Abhängigkeit vom Vorwissen untersuchen.

H3Selbstregulation und Prompt-Routine

Zu prüfen ist, wie Selbstregulation und Prompt-Routine jeweils Lerngewinn erklären und miteinander zusammenwirken. Eine generelle Rangfolge wird nicht vorausgesetzt.

Prüfen: Nutzungsprotokolle, lautes Denken und Interviews zu Einsatzentscheidungen auswerten.

H4Timing ist eine didaktische Variable

KI nach eigener Auseinandersetzung kann Feedback und Perspektiven erweitern; KI vor der Auseinandersetzung kann genau die zu lernende Operation übernehmen.

Prüfen: Aufgabenvarianten mit unterschiedlicher Einsatzreihenfolge vergleichen.

H5Produkte verlieren Beweiskraft

Ein gutes Produkt zeigt immer weniger zuverlässig, welche Kompetenz eine Person selbst aufgebaut hat.

Prüfen: Produktqualität mit Begründungen, Prozessspuren und Transfer vergleichen.

H6Erfahrung wird knapper und wertvoller

Wenn Wissen und geistige Produkte leicht erzeugbar sind, gewinnen reale Aufgaben, Zusammenarbeit, körperliches Tun und verantwortete Entscheidungen an Bildungswert.

Prüfen: Praxisprojekte auf Handeln, Rückmeldung, Reflexion und Transfer untersuchen.

H7Lehrpersonen gestalten produktiven Widerstand

Die Rolle der Lehrperson verschiebt sich von der Bereitstellung von Stoff zur Gestaltung von Situationen, in denen Denken, Erproben und Verantwortung nicht vorschnell abgenommen werden.

Prüfen: Unterschiedliche Lernarchitekturen durch Unterrichtsbeobachtung und Fallvergleich untersuchen.

Wie ich
arbeite

Expertise entsteht hier nicht durch Lautstärke, sondern durch ein transparentes Zusammenspiel verschiedener Materialströme. Befund, Deutung, Hypothese und persönliche Beobachtung bleiben unterscheidbar.

1

Forschung

Studien, Reviews, Rahmenwerke und seriöse Forschungsberichte lesen – inklusive Design, Grenzen und Gegenbefunden.

2

Praxis

Unterrichtsbeispiele und Lernarchitekturen mit Kontext, Mechanismus, Ergebnis und Grenze dokumentieren.

3

Stimmen

Perspektiven von Lernenden, Lehrpersonen, Forschenden und Führungspersonen gezielt einbeziehen.

4

Eigenes Denken

Begriffe schärfen, Hypothesen prüfen, Gegenargumente suchen und Modellrevisionen sichtbar machen.

Roadmap

Lesen, Schreiben und Veröffentlichen laufen von Beginn an zusammen. Die Etappen zeigen eine Arbeitslogik – keinen starren Ablauf.

Vom Arbeitsbegriff zur begründeten Expertise
  1. 01

    Begriffe setzen

    Leitfrage, Serienbeschreibung und erster quellenbasierter Denkbeitrag.

    Ergebnis: Arbeitsbegriffe
  2. 02

    Zusammenhänge zeigen

    Verbundene Beiträge, erste Synthese und überarbeitete Begriffe.

    Ergebnis: Denkserie
  3. 03

    Modell schärfen

    Themenstränge vertiefen, Fachessay und erste Kapitelhypothese entwickeln.

    Ergebnis: Fachessay
  4. 04

    Buchidee prüfen

    Nutzen, vergleichbare Titel und Material für ein Probekapitel zusammenführen.

    Ergebnis: Probekapitel
  5. 05

    Begründete Expertise

    Ein auffindbares Werk, ein Fachbuch und Wissen, das in Weiterbildung und Dialog wirkt.

    Ergebnis: Wirkungsfeld

Ein Wirkungsfeld von

Anita Schuler Lernen

Ich verbinde drei Übergänge aus eigener Berufserfahrung: Schule vor der breiten Digitalisierung, digitale Transformation und den Eintritt in eine KI-geprägte Lern- und Arbeitswelt. Hinzu kommen Unterrichtspraxis, Führung, Zusammenarbeit und die Kuratierung von Wissen.

Dieser Übergangsblick ist noch keine Expertise. Er wird es erst, wenn daraus belastbare Begriffe, überprüfbare Hypothesen, begrenzte Praxisbeobachtungen und nachvollziehbare Konsequenzen entstehen. Diese Seite macht diesen Weg sichtbar.

Anita Schuler · September 2026